Datenrettung Microdrive (miniaturisierte Festplatte)

Datenrettung eines Microdrives (c) KUERT Datenrettung Deutschland GmbHDer Name Microdrive bezeichnete ursprünglich (1983) einen von Sinclair Research Ltd. entwickelten und für damalige Verhältnisse billigen und schnellen Massenspeicher für deren Homecomputer der ZX Spectrum-, und später QL-Serie.

In einer speziellen "Cartridge" befand sich ein zu einer Endlosschleife verbundenes Chromdioxidband, halb so breit wie das in den zu jener Zeit populären Audio-CompactCassetten. Aufgrund des Laufgeräusches und der unüblichen Konstruktionsweise wurden dieses Band im Jargon gerne als "rasender Schnürsenkel" betitelt.

Im Laufwerk diente ein nur mechanisch (zur Bandführung) modifizierter Stereo-Tonkopf zum Lesen und Schreiben der Bits in Backstein-Anordnung.

Abbildung eines Seagate ST1 4GB Microdrives (c) Wikipedia

So wurden auf einer Cartridge 85 KB (Spectrum) bzw. ca. 100 KB (QL, identisches Medium, dichteres Aufzeichnungsformat) gespeichert.

Heute ist vor allem eine (physikalisch) kleine Festplatte unter diesem Namen bekannt.

Dieses Microdrive ist eine miniaturisierte Festplatte im Format einer CompactFlash-Karte, die ursprünglich von IBM entwickelt wurde. Inzwischen steht Microdrive für eine ganze Klasse an Speichermedien, die alle nach dem gleichen Verfahren funktionieren. Im Gegensatz zu der Flash-Speicherung, ist es kein rein elektronisches Speichermedium, sondern ein elektromagnetisches Speichermedium.

Die Karte ist 42,8 mm × 36,4 mm × 5 mm groß und verfügt über 50 Pins. Die Datenrettung und Datenwiederherstellung defekter Micro-Drives ist stets eine Herausforderung, da die Miniaturisierung der Festplatte hierbei ein enormes Maß an Erfahrung im Rahmen der Datenrettung benötigt.

Die Rückseite des Seagate ST1 Microdrives aus einem Apple iPod. (c) Wikipedia

Microdrive (MD) ist ein Markenname, welcher miniaturisierte Festplatten, üblicherweise in 1" Größe beschreibt und die für den Compact Flash (CF) Type-2 Schnittstellen-Anschluß konzipiert wurden. Die Bezeichnung "Microdrive" ist jedoch keine eingetragene Marke, so dass Hersteller wie IBM bis zum Jahre 2003 oder Hitachi ihre eigenen Laufwerke nicht als "Microdrives" gekennzeichnet, sondern auf andere Bezeichnungen, bzw. Markennamen zurückgegriffen haben. Andere Hersteller, wie z.B. Sony haben den Namen lizensiert und verkauften ihre Microdrives im Rahmen des Re-Brandings, andere widerum wie Seagate hatten ihre eigenes Design, jedoch unter Einbehaltung des gleichen Formfaktors.

Microdrives sind für den CompactFlash II Anschluß gedacht, jedoch benötigen sie mehr Strom, als z.B. Flash-Speicher und sind somit nicht für Geräte geeignet die über eine niedrige Spannungsversorgung verfügen, wie bspw. PDAs. Dennoch boten Microdrives einige Vorteile gegenüber Flash-Speichertechnik, hinsichtlich der Art- und Weise, wie Daten gespeichert und bearbeitet werden konnten. Microdrives konnten 8 GB oder mehr speichern, mussten mit einem Dateisystem formatiert werden, die diese Speichergröße auch adressierten konnten, wie z.B. ext3, NTFS oder FAT32. Ältere CompactFlash Hosts fehlte mitunter die Unterstützung für diese Dateigrößen. In solchen Fällen, wurde das Problem dadurch gelöst, dass der zur Verfügung stehende Speicherbereich in 4 GB Partitionen aufgeteilt wurde.

Seit 2011, werden Microdrives nicht mehr produziert und wurden durch die technologische Entwicklung von Sold-State-Speichern sozusagen abgelöst, da diese eine höhere Schreib-/Leseleistung sowie höhere Speicherkapazitäten aufweisen, weniger Strom verbrauchten und zudem durch die platzsparende Bauform besser für jegliche Art der Miniaturiesierung von Geräten eigneten.

Geschichte des Microdrives

Ein Seagate 1" Microdrive ST1 mit 2.5 GB Speicherkapazität (c) Wikipedia

Das erste Microdrive wurde seiten des Herstellers IBM im Jahr 1999 entwickelt und hatte eine Kapazität von 170 MB. 2006 wurde die Speicherkapazitätsgrenze auf 8 GB erweitert. Das Gewicht des Microdrives lag bei 16g mit Abmessungen von 42,8 x 36,4 x 5mm. Zur damaligen Zeit waren dies die schmalsten Festplatten die jemals produziert wurden. Von 1999 bis 2003, waren diese Festplatten-Laufwerke unter IBM Microdrives bekannt und ab 2003 unter Hitachi Microdrives, nachdem Hitachi den Festplatten-Geschäftsbereich von IBM übernommen hatte.

IBM produzierte zunächst Modelle in den Größen 170 MB und 340 MB. Im Folgejahr wurden Microdrive-Modelle mit Kapazitäten von 512 MB und 1 GB ausgeliefert. Im Dezember 2002 übernahm Hitachi die Festplattensparte von IBM, welche sowohl die Microdrive-Technologie als auch die eigentlichen Markenrechte beinhaltete. Im Jahr 2003 wurden dann die ersten 2 GB Modelle des Microdrives vorgestellt. In den nachfolgenden Jahren wurde dann die Speicherkapazität immer weiterentwickelt. Zwar gab es auch "Sony Microdrives", hierbei handelte es sich jedoch um umgelabelte Hitachi-Laufwerke.

Im Jahr 2004, stellte der Festplatten-Hersteller Seagate die ersten 2.5 und 5 GB Microdrive-Laufwerke vor. Aufgrund von Problemen mit diversen Markenrechten nannte Seagate diese Compact-Flash-Festplatte. Diese Laufwerke wurden weltweit bekannt als Seagate ST1. 2005 stellte Seagate dann das 8GB Model vor. Seagate implementierte die ST1 unter anderem auch in externen Speicherlösungen, wie z.B. in der "Pocket Hard Drive Serie", mit integriertem USB-2.0 Kabel.

Die Ära des Microdrives endete im Jahr 2012, seitdem werden keine Microdrives mehr produziert.

Microdrive Festplatten im historischem Verlauf

1999: 170 MB (IBM MD170/A)
1999: 340 MB (IBM)
2000: 512 MB, 1 GB (IBM)
2003: 2 GB (Hitachi)
2004: 4 GB (Hitachi), 2.5 und 5 GB (Seagate)
2005: 6 GB (Hitachi), 8 GB (Seagate)
2006: 8 GB (Hitachi)

 

Anwendungs- und Einsatzbereich von Microdrives

  • 1 GB IBM Microdrive (c) Wikipedia

    CompactFlash und IDE-Adapter sowie USB-Card Reader ermöglichen den Einsatz von Microdrives in Computern und ermöglichten somit nicht nur den Einsatz eines Microdrives als klassischen Datenspeicher, sondern auch die Ausführung von Betriebssystemen. Somit ist ist es nicht verwunderlich, dass Microdrives sich in allen möglichen und unmöglichen Geräten, Maschinen und Anlagensteuerungen befinden.
  • Bei einigen hochkapazitären USB-Sticks, werden Microdrives anstelle klassischen NAND-Flash-Speichern verwendet, diese USB-Sticks lassen sich optisch aufgrund der besonderen Bauform des Microdrives an Ihrem rechteckigem Design erkennen. Oftmals wurden diese Sticks als "Pocket hard drive" gelabelt und vertrieben.
  • Die JVC Camcorder der Everio Serie (GZ-MC200/MC100) nutzten 4 GB IBM / Hitachi Microdrives als Speicher anstelle von Bändern oder DVD.
  • Einige PDAs verwendeten Microdrives um die Speicherkapazität zu erhöhen.
  • Die iPod mini Serie von Apple verwendete Microdrives als internes Speichermedium.
  • Microdrives finden sich im iPod mini sowie den ZEN Micro MP3-Playern des Herstellers CreativeLabs.
  • In Kombination mit PCMCIA-Adaptern ließen sich Microdrives auch in Notebooks einsetzen.

Geräteübersicht mit integrierten Microdrives

  • Apple iPod mini: 4 GB und 6 GB Hitachi (CF mode disabled)
  • Creative MuVo: 4 GB Hitachi (CF mode disabled in later models)
  • Creative ZEN Micro: 5 GB / 6 GB Seagate
  • Creative ZEN MicroPhoto: 4 GB / 8 GB Seagate
  • Dell Digital Jukebox: 5 GB Seagate ST1
  • HP Photosmart 475: unbekannt (1.5 GB Benutzerspezifischer Speicherplatz)
  • iriver H10: 5 GB und 6 GB Seagate
  • iriver E10: 6 GB Hitachi
  • Mio 269/269+ : 2.5 GB Seagate
  • Navman iCN 650: 2 GB Hitachi
  • Nokia N91: 4 GB Hitachi
  • Olympus M:robe m100 mp3 player
  • palmone LifeDrive: 4 GB Hitachi
  • Philips PSA612: 4 GB Hitachi
  • Samsung YH-820: Seagate ST1 5 GB
  • Seagate Pocket Hard Drive; Ausführung in 2.5 GB, 5 GB, 6 GB, und 8 GB
  • Sharp Zaurus Sl-C3000 - 3200 Serie
  • Sony NW-A1000: 6 GB Hitachi
  • Trekstor Vibez: 8 GB/12 GB Cornice Dragon

Die Vorteile von Microdrives

  • Bis 2006 hatten Microdrives eine höhere Speicherkapazität als Compact Flash - Speicherkarten.
  • Microdrives erlauben mehr Schreibzyklen, was sie geeigneter für den Einsatz in Geräten macht, gerade hinsichtlich schreibintensiver Auslagerungsdateien, cache, etc.
  • Microdrives sind störunanfälliger nach plötzlichem stromverlust bei Schreibzugriffen. Flash Speicher muß die Daten innerhalb des Speichers permanen bewegen, um alle Speicherzellen im Rahmen des Wear Levelling gleichmäßig mit Schreibzyklen zu versorgen. Wird der Flash Speicher zum falschen Zeitpunkt nicht mehr mit Strom versorgt, so kann dies Einfluß auf den Wear Levelling Algorithmus nehmen und zu Datenverlust führen. Die Daten auf konventionellen Festplatten erhalten einen festen Speicherplatz.

Die Nachteile von Microdrives

Geöffnetes Seagate Microdrive
  • Nach 2006, wurden die ursprünglichen Speicherkapazitäts-Vorteile von Microdrives durch CompactFlash Speicherkarten und USB-Sticks übertroffen. Als die größte CF Speicherkarte mit 128 GB 2012 vorgestellt wurde, bot diese mehr als die 10-fache Speicherkapazität des größten Microdrives.
  • Aufgrund der Tatsache, dass ein Microdrive über eine eigene Festplatten-Mechanik verfügt, ist diese natürlich auch anfällig für Erschütterungen, Temperaturschwankungen. Grundsätzlich waren Microdrives jedoch sehr robust.
  • Eine Fallhöhe von 1.2m wird ein Microdrive im Gegensatz zu einer CF-Karte jedoch nicht unbeschadet überstehen.
  • Microdrives sind nicht so schnell wie high-end Compact Flash Speicherkarten. Generell operieren diese mit 4-6 MB/ Sek, wohingegen High-End CF Speicherkarten mit bis zu 45 MB/Sekunde umgehen können. Problematisch ist diese Tatsache z.B. für Fotografen die häufig Sequenzen fotografieren müssen, hier ist der Einsatz von Microdrives schlichtweg ungeeignet.
  • Im Gegensatz zu Flash-Speichern benötigen Microdrives auch dann eine Stromversorgung wenn kein Datentransfer stattfindet, da die Magnetscheiben in Rotation gehalten werden müssen. Zwar gibt es Stromspar-Mechanismen, jedoch stehen diese konträr zur Spin-Up Dauer und endgültigen Einsatzbereitschaft eines Microdrives.
  • Microdrives benötigen einige Zeit für den "Spin-Up", zwar weniger als bei herkömmlichen Festplatten, jedoch länger als im Vergleich zu einem Flash-Speicher.
  • Da Microdrives oftmals in Geräten integriert sind, bringt dies auch Probleme mit sich wenn das Gerät selbst einmal Schaden nimmt. Ein Austausch eines ausgefallen Microdrives in solch einem migriertem Produkt ist mitunter nicht immer einfach und kann Probleme mit sich bringen.

IBM MicroDrive

  • 170 MB
  • 340 MB
  • 512 MB
  • 1 GB
  • 4 GB

Hitachi MicroDrive

  • 512 MB
  • 1 GB
  • 2 GB
  • 3 GB
  • 4 GB
  • 6 GB
  • 8 GB

IBM und Hitachi Modell hatten 128 kB Cache Speicher

GS Magic

  • 2.2 GB ATA, USB (NATIVE), & CF Varianten
  • 3 GB ATA
  • 4 GB ATA & CF Varianten
  • 6 GB

Seagate ST1

  • 2.5 GB
  • 4 GB
  • 5 GB
  • 6 GB
  • 8 GB
  • 12 GB

Seagate Modelle hatten größtenteils 2 MB Cache-Speicher

Sony Compact Vault

  • 2 GB ( Hitachi)
  • 4 GB ( Hitachi)
  • 5 GB
  • 8 GB

Toshiba

  • 2 GB
  • 4 GB

Cornice

  • 4 GB